Dübendorfer Modell

Am Anfang steht die Einsicht, dass nur die Aktivierung der Schüler/-innen und somit ihre Eigentätigkeit nachhaltiges Lernen ermöglicht. Damit die Schüler/-innen sich aber selbst vertieft mit anspruchsvollen Fragen auseinandersetzen und zu eigenen Ergebnissen kommen können, braucht es Zeit – dazu reichen 45 Minuten selten aus. Das Schaffen von längeren Zeitgefässen legt deshalb die strukturelle Basis für das pädagogische Konzept: Geplant sind keine Einzel-, sondern immer mindestens Doppellektionen. Zudem sind pro Schuljahr fünf Blockwochen vorgesehen, um mehrere Tage für längere Projekte zur Verfügung zu haben. Inhaltlich orientiert sich die pädagogische Ausrichtung am 4C/ID-Modell (4 Component Instructional Design), welches Lernsettings (Komponente 1) vorsieht, deren Kern aus längeren Lernaufgaben besteht, die möglichst alltagsnah und relevant sind und echte Probleme zu lösen versuchen, konkrete Phänomene untersuchen und aktuelle Fragestellungen beantworten. Dabei liefert die Lehrperson zum passenden Zeitpunkt unterstützende Informationen, welche auf dem bestehenden Vorwissen aufbauen und den Schüler/-innen weiterhelfen (Komponente 2). Die erworbenen Fertigkeiten der Schüler/-innen ermöglichen es ihnen innerhalb derselben Thematik schrittweise komplexer werdende Lernaufgaben mit weniger Unterstützung zu lösen (Komponente 3). Repetition und Üben derselben Fertigkeiten in immer anspruchsvolleren Settings führen so zu deren Festigung (Komponente 4). Während des Aufbaus soll das Hauptaugenmerk primär auf das Erarbeiten von interessanten Lernarrangements gelegt werden, welche die Schüler/-innen wirklich weiterbringen.


Grundsätze

  1. Relevante Probleme, Phänomene oder Fragestellungen als Ausgangspunkt für Unterrichtseinheiten nutzen
    Im Zentrum jeder Unterrichtseinheit steht eine Lernaufgabe, die es den Schüler/-innen ermöglicht, sich mit einem für sie relevanten Problem, Phänomen oder einer aktuellen Fragestellung auseinanderzusetzen.
  2. Komplexe Kompetenzen ins Zentrum setzen
    Der Unterricht ist auf den Aufbau komplexer Kompetenzen ausgerichtet, die in mehrteiligen Unterrichtseinheiten aufgebaut und vertieft werden, indem schrittweise Teilkompetenzen erworben, geübt und verknüpft werden.
  3. Leistungsnachweise an Lernaufgaben orientieren
    Beim Leistungsnachweis werden die beim Bearbeiten der Lernaufgabe erworbenen Kompetenzen mit unterschiedlichen Methoden überprüft. Durch formative Beurteilungen erhalten die Schüler/-innen ein lernförderliches Zwischenfeedback.
  4. Intensive Lernprozesse fördern
    Der Unterricht bereitet die Schüler/-innen auf «anspruchsvolle Aufgaben» (MAR / BMV) in der Gesellschaft und auf die Hochschulen vor, indem intensive und nachhaltige Lernprozesse ermöglicht werden.
  5. Zur Selbstständigkeit anleiten
    Durch gezielte Anleitung werden die Schüler/-innen dazu befähigt, Lernaufgaben selbstständig zu bearbeiten und über ihr Vorgehen zu reflektieren.

 

Konkrete Umsetzung im Unterricht

  • Eine Kompetenz umfasst jeweils die drei Aspekte Wissen (Inhalte), Können (Methoden und Fertigkeiten) und Wollen (Motivation).
  • In den Unterrichtseinheiten erwerben die Schüler/-innen sowohl fachliche als auch überfachliche Kompetenzen.
  • mehrwöchige Unterrichtseinheiten zu einem übergeordneten Problem, Phänomen oder Fragestellung
  • gezielte Förderung des selbstorganisierten Lernens
  • unterschiedliche Formen von Leistungsnachweisen, um den Erwerb der komplexen Kompetenzen adäquat zu überprüfen
  • Vermeidung von Einzellektionen im Stundenplan zur verstärkten Fokussierung
  • fünf Blockwochen pro Jahr zur thematischen Vertiefung